Kategorie: Erkrankungen

  • 8 Podcasts für Best Ager: Wechseljahre, Ageism, Longevity und Co.

    8 Podcasts für Best Ager: Wechseljahre, Ageism, Longevity und Co.

    Podcasts gibt’s wie Sand am Meer, aber wovon es gern noch mehr geben darf: Podcasts für Best Ager, die informativ und unterhaltsam sind, Lust aufs Leben machen, Generationen verbinden und unseren Horizont erweitern! Eine kleine Auswahl gibt es immerhin schon. Acht stellen wir euch heute vor. Also Lauscher gespitzt oder Hörgeräte gut eingestellt, Beine hochgelegt und eingetaucht ins Age-Audioversum.


    Laut Statista/Bitkom hörten 2024 etwa 50 Prozent der Befragten zwischen 50 und 64 Jahren und etwa 35 Prozent der Befragten ab 65 Jahren Podcasts. Je älter wir sind, desto geringer ist die Bekanntheit von Podcasts. Das ändern wir hiermit! 🙂

    Was ist ein Podcast?

    Bei einem Podcast handelt es sich um Audiobeiträge (immer öfter auch Videobeiträge), die ihr zeitunabhängig über das Internet (z. B. Musikstreaming-Dienste wie Spotify, kostenlosen Mediatheken/Audiotheken, Webseiten sowie Podcast-Apps) anhören könnt. Also quasi eine Radio-Serie zu einem bestimmten Thema mit Moderator:innen und meist wechselnden Interviewgäst:innen, die ihr über jedes digitale Endgerät ohne nerviges Rauschen oder komplizierte Sendersuche und zu jeder Zeit und an jedem Ort anhören könnt. Natürlich gibt es eine Vielzahl an altersunabhängigen Podcasts in den Bereichen Nachrichten/Politik, True Crime, Comedy, Gesundheit, Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur usw.

    Wenn es aber um spezielle Themen wie Leben und Gesundheit im Alter, Wechseljahre und Longevity/Biohacking geht, leg ich euch folgende Podcasts ans Herz.

    8 Podcasts für Best Ager

    – und die, die es werden wollen!

    1. Hormongesteuert – Der Wechseljahre-Podcast mit Dr. Katrin Schaudig

    Wenn es um die Wechseljahre geht, kommt mir sofort Dr. Katrin Schaudig in den Sinn. „Hormongesteuert – Der Wechseljahre-Podcast mit Dr. Katrin Schaudig“ widmet sich natürlich den medizinischen Aspekten und versorgt euch mit essenziellen Infos und Tipps. Auch macht Dr. Schaudig deutlich, dass jede Frau die Wechseljahre komplett individuell durchlebt und greift deshalb eine Vielzahl an Themen auf wie …

    • Fehldiagnosen und Unwissenheit
    • Hormonersatztherapie (die Angst davor und wie geht es weiter, wenn sie nicht wirkt?)
    • Hitzewallungen
    • Schlafstörungen
    • Inkontinenz
    • Scheidentrockenheit
    • Sexleben
    • Herzrasen/Herzstolpern
    • Wechseljahre nach Brustkrebs
    • Wechseljahre mit Endometriose
    • vorzeitige Wechseljahre

    Podcast-Link: Hormongesteuert – Der Wechseljahre-Podcast mit Dr. Katrin Schaudig

    2. Gelassen älter werden

    In dem Podcast „Gelassen älter werden“ behandeln Bertram Kasper und Catharina Maria Klein alltägliche Themen, die Menschen in der dritten Lebensphase beschäftigen. Mit ihren Gäst:innen sprechen sie z. B. einfühlsam über …

    • Altersdiskriminierung (Ageism/Ageismus)
    • KI (künstliche Intelligenz)
    • Traumverwirklichungsgeschichten von Menschen über 60
    • Altersarmut
    • Demenz
    • Freundschaften im Alter und zwischen Alt & Jung
    • Politik
    • Sexualität
    • Arbeit mit über 70
    • Sterben

    Podcast-Link: Gelassen älter werden

    3. 50 über 50 – Gesund und entspannt älter werden

    Viele von euch kennen sie bereits: Stephanie Hielscher ist freie Journalistin und Autorin des Buches „So alt war ich noch nie“ und die Stimme des Podcasts „50 über 50 – Gesund und entspannt älter werden“. Darin teilt sie persönliche Erfahrungen und führt Gespräche mit Gästinnen wie der Gründerin Mitra Kassai von Oll Inclusiv, der Hautpflegemarke-Gründerin Susanne Kaufmann, Moderatorin Susann Atwell uvm.

    Die Themen:

    • Gesundheit
    • Stärkung von Frauen
    • Einsamkeit im Alter
    • Veränderungen
    • Sexualität
    • Altern und Schönheit
    • Menopause

    Podcast-Link: 50 über 50 – Gesund und entspannt älter werden

    4. War’s das

    In der deutschen Filmlandschaft kommen wir an der Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann nicht vorbei. Ich kenne und liebe sie seit meiner Kindheit und ziehe den Hut vor ihrem gesellschaftlichen und politischen Einsatz. In ihrem Bremen-Zwei-Podcast „War’s das“ spricht sie mit Frauen über 50 über …

    • Sichtbarkeit von Frauen
    • Finanzen im Alter
    • Diskriminierung
    • Krankheiten im Alter
    • stilvolles und selbstbewusstes Altern
    • Altern in der Öffentlichkeit

    Podcast-Link: War’s das

    5. Mit den Waffeln einer Frau

    Barbara Schöneberger müssen wir euch natürlich nicht mehr vorstellen. In ihrem Podcast „Mit den Waffeln einer Frau“ geht es tatsächlich um Waffeln, aber nicht nur. Denn sie ist schlau und nutzt Ihre Backkünste, um ihren Gäst:innen aus Musik, Fernsehen, Sport und Showbiz auf den Zahn zu fühlen. Kein expliziter Podcast übers Altern, aber mit Gäst:innen wie Heiner Lauterbach kommen dann doch auch mal Themen wie Rentnerrabatte zur Sprache und Dinge wie …

    • Botox und Sex mit Janine Kunze
    • Männer mit Bettina Zimmermann
    • Oasis-Tickets mit Benjamin von Stuckrad-Barre
    • Lieder mit Olli Schulz
    • nackte Ski-Lehrer, Paparazzi und Selbstzweifel mit Michelle Hunziker

    Podcast-Link: Mit den Waffeln einer Frau

    6. Lifestyle of Longevity

    Welches Thema begegnet uns seit Monaten in den sozialen Netzwerken zuhauf? Longevity (Langlebigkeit)! Und genau darum geht’s in dem Podcast „Lifestyle of Longevity“ mit Dr. Kati Ernst und Kristine Zeller, die nun ihre über Jahre gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse mit uns teilen. Sie sprechen u.a. über …

    • Sport
    • Trends wie Reformer Pilates, Mouthtaping, Aroma Therapie, Biohacker Bryan Johnson
    • Snacks
    • Sex
    • Darm (Mikrobiom)
    • Supplements und Ernährung
    • Stressreduktion & Entspannung

    Podcast-Link: Lifestyle of Longevity

    7. Chronisch gut – Der Podcast über chronische Krankheiten

    In „Chronisch gut – Der Podcast über chronische Krankheiten“ gibt Helene Anschütz, die selbst unter der chronischen Erkrankung Morbus Bechterew leidet, chronischen Erkrankungen eine Stimme. Gemeinsam mit Expert:innen wie Dr. Julia Fischer und Erkrankten – die häufig auch Expert:innen sein müssen, um überhaupt eine Diagnose und medizinische Hilfe zu bekommen – klärt sie über chronische Erkrankungen, den Alltag und die Herausforderungen damit auf.

    Gesprochen wird u.a. über:

    • PCOS und generell Gendermedizin/Frauengesundheit/Feminismus
    • Medfluencer, Gurus und Gesundheitsmythen
    • Krebs
    • Psoriasis Vulgaris
    • Politik und chronische Erkrankungen
    • Sarkoidose (Morbus Boeck)

    Podcast-Link: Chronisch gut – Der Podcast über chronische Krankheiten

    8. Old and Gold

    In dem Podcast Old an Gold spricht Lisa Lauter nicht über, sondern mit älteren Menschen. Dazu fährt sie durch ganz Deutschland, besucht Senior:innen zu Hause und in Pflegeeinrichtungen und lässt sie ihre Geschichten erzählen. Ein Generationen-Podcast, der zum Austausch anregt, denn: Erfahrungen älterer Menschen sind goldwert. Freut euch auf Geschichten über …

    • Neugierde und Lebensfreude im Alter
    • Liebeskummer und Kompromisse in Beziehungen
    • Trauer
    • Tapferkeit
    • Mut
    • Freundschaft
    • Einsamkeit

    Podcast-Link: Old an Gold – Goldwerte Geschichten über das Leben

    Ihr habt Fragen zur ambulanten Pflege und sucht einen Pflegedienst in Oberhausen NRW oder naher Umgebung? Dann braucht ihr keinen Podcast, sondern Hanne und Hans und unseren Pflegedienst Sensus! 😉

     

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  • Würdevolle Pflegehilfsmittel von finally – den Tagen mehr Leben geben

    Würdevolle Pflegehilfsmittel von finally – den Tagen mehr Leben geben

    Würdevolle Pflegehilfsmittel von finally: Seit meiner Kindheit bekomme ich durch die Arbeit und den ambulanten Pflegedienst meiner Mutter einen Einblick in die Pflegearbeit. Damals wie heute habe ich mir die Frage gestellt, wieso Produkte für Alten- und Krankenpflege neben der Funktionalität eigentlich nur eins im Sinn zu haben scheinen: dass Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit abseits vom individuellen Leben stattfinden. Doch Älterwerden, Erkrankungen und das Sterben sind nun mal Teil des Lebens. Laut Destatis waren im Dezember 2023 im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) etwa 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig.* Wieso sind es dann immer noch Tabus? Natürlich weil wir unsere Endlichkeit lieber verdrängen. Vielleicht aber auch aufgrund einer stigmatisierenden Produktpalette im mausgrauen und krankenhausweißen Gewand. Funktional, steril und einheitlich scheint der Design-Konsens zu lauten. Die Diplom-Produktdesignerin und Trendexpertin Bitten Stetter aus Zürich geht neue Wege und entwirft deshalb seit 2021 unter ihrem Label finally. würdevolle Pflegehilfsmittel wie Ess- und Trinkgeschirr, Greifobjekte, Pillendosen, Kommunikationstools, Kleidung und Zubehör fürs Krankenbett.


    Nachdem ich durch Zufall vor einigen Monaten den CityCaddy entdeckt habe, fragte ich meine Mutter, welches Pflegehilfsmittel wohl dringend ein Update benötigt. Ihre Antwort: „Urinbehälter für Männer“. Natürlich begann ich erstmal mit der Recherche. Gibt es wirklich noch nichts auf dem Markt? An den Schaufenstern klassischer Sanitätshäuser gehe ich nach wie vor schnellen Schrittes vorbei. Dann schaute ich mir die Aussteller:innen einer Pflegemesse an, die die neuesten Trends am Pflegehimmel präsentierte und fand … auch nichts.

    Den Tagen mehr Leben geben – finally.

    Sollten wir nicht gerade aufgrund von Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit nicht nur unseren Blick auf die Funktionalität richten, sondern ebenfalls darauf, dass uns das Produktdesign anspricht? Es geht ja hierbei nicht um impulsartigen und unnützen Konsum, sondern um Dinge, auf die wir in den fragilsten Phasen unseres Lebens eine Weile oder bis zu unserem Tod angewiesen sind. Dinge, mit denen und durch die wir würdevoll und individuell leben – uns lebendiger und respektiert fühlen. Die gute Nachricht: Ich sehe Licht am Ende des tristen Krankenhausflurs! Dank der ästhetischen Pflegehilfsmittel von finally!

    Mehr Infos erfahrt ihr von der Diplom-Produktdesignerin, Trendexpertin Bitten Stetter in unserem Interview, die als Professorin für Trends & Identity an der der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) zu Design, Lebensstilen und Wandel forscht.

    Pflegehilfsmittel finally
    Bitten Stetter

    Was war der Auslöser für die Gründung von finally?

    Bitten Stetter: Der Auslöser für die Gründung von finally. waren sehr persönliche Erfahrungen. Als Angehörige eines chronisch krebserkrankten und im Verlauf sterbenden Menschen habe ich hautnah miterlebt, wie wenig wir der Lebensreise, in der wir meist einen Prozess von gesund zu fragil erleben, eine wertschätzende Aufmerksamkeit widmen. Der Gestaltung der Gesundheitsreise wie auch letzten Lebensphase kommt wenig gestalterische Auseinandersetzung zu teil. Während es für jede andere Phase von der Geburt über Kindheit und Jugend bis ins hohe Alter unzählige durchdachte Produkte gibt, bleibt vor allem das Sterben von einer trostlosen und funktionalen Ästhetik geprägt.

    Ich war fassungslos, wie wenig würdevolle Dinge für Menschen, die ihre letzten Lebensphasen antreten, existieren. Statt durchdachter Pflegeprodukte fand ich billige Plastikbecher, uniforme Pflegekleidung und sterile, abweisende Umgebungen. Als Designerin und Trendforscherin konnte ich nicht akzeptieren, dass in einer Welt, in der Design jede Facette unseres Lebens beeinflusst, Fragilität und Endlichkeit so wenig Beachtung finden.

    Aus dieser Erfahrung heraus entstand finally. Unser Ziel ist es, das Leben als Prozess durch gesunde und fragile Phasen neu zu denken. Mit Produkten, die nicht nur funktional, sondern auch sinnlich, ästhetisch und würdevoll sind und damit nicht nur den fragilen Menschen Unterstützung geben, sondern auch den Zu- und Angehörigen wie auch den professionellen Pflegenden. Denn Design hat die Kraft, nicht nur das Leben, sondern auch das Lebensende menschlicher zu gestalten. Uns ist es dabei wichtig, die Vergänglichkeit als Teil menschlicher Existenz anzuerkennen.

    Wofür steht finally. genau?

    Bitten Stetter: finally. steht für die Idee, eine ästhetische, menschenzentrierte Designperspektive in die letzten Lebensphasen und ich spreche hier sehr bewusst von Phasen zu bringen. Es geht darum, die Endlichkeit nicht zu verbergen oder Sterblichsein zu stigmatisieren, sondern diese Phasen des Lebens mit Respekt und Würde zu gestalten. Die Care-Produkte und Designs sollen einfühlsam sein, um den Menschen auf seinem Lebensweg bis zum Schluss zu unterstützen.

    Designst du die Produkte allein oder im Team?

    Bitten Stetter: Ich arbeite sowohl allein als auch mit Expert:innen aus der Pflege, aus der Psychologie, wie auch mit Betroffenen (z. B. krebskranken Menschen) zusammen. Dabei ist es besonders wichtig, nicht nur mit Fachleuten aus den Bereichen der medizinischen Palliativpflege, sondern auch mit freiwilligen Caregivers, nicht professionellen Caregivers wie auch Caretakers zusammenzuarbeiten. Denn die Perspektiven können sich sehr unterscheiden. Die Zusammenarbeit ermöglicht es mir, sowohl die ästhetischen als auch die praktischen Bedürfnisse aller mitgestaltenden Personen zu berücksichtigen. Denn Sterben tun wir selten allein, so wie wir auch selten allein schwer erkranken. Meist sind auch andere Personengruppen an diesen Verläufen beteiligt. Zudem müssen wir Sterben hier auch sehr weit fassen, ähnlich wie es die Palliative Care tut. Sterben beginnt aus mancher Perspektive schon nach der Geburt. Soweit würde ich selbst nicht gehen, aber es nimmt sicher seinen Anfang, wenn ein Mensch (chronisch) erkrankt oder sich aufgrund seines natürlichen Alters in seiner fragileren Lebensphase befindet.

    Wo werden die Produkte produziert und worauf achtest du bei den Materialien?

    Bitten Stetter: Die Produkte werden in enger Zusammenarbeit mit Handwerker:innen und spezialisierten Produzent:innen in Europa fair produziert, die sich auf hochwertige Materialien und Produktionen konzentrieren. Ich achte besonders auf Nachhaltigkeit, eine hohe Materialqualität und darauf, dass die Produkte sanft und sicher für die Menschen sind. Auch und vor allem die emotionale, bedeutungsvolle Wirkung der Materialien ist für uns ein wichtiger Faktor. Pflegen und Begleiten heißt berühren: Die Dinge, die wir gestalten, sollen durch ihre Wertigkeit im doppelten Sinne berühren.

    Was können stilvolle Pflegehilfsmittel aus deiner Sicht alles leisten?

    Bitten Stetter: Ästhetisch hochwertige Pflegehilfsmittel können weit mehr leisten als nur funktionale Unterstützung. Sie können den Krankheits-, Alterungs- und Sterbeprozess menschlicher und würdevoller gestalten, indem sie eine beruhigende Atmosphäre schaffen und den Patient:innen sowie deren Angehörigen das Gefühl von Nähe, Geborgenheit und Respekt vermitteln. Sie helfen dabei, das Tabu rund um die Endlichkeit und Vergänglichkeit zu brechen und ermöglichen eine bewusstere und anerkennende Auseinandersetzung mit der Fragilität des Lebens.

    Welche Produkte bietest du an?

    Turnarounder

    Bitten Stetter: Aktuell konzentriere ich mich auf Produkte, die uns taktil oder visuell in Pflegebereichen berühren. Pflegeutensilien und spezielle Kleidung für den Übergang von der gesunden bis zur letzten Lebensphase. Diese Produkte sind nicht nur funktional, sondern auch hautsinnlich ansprechend und auf die Bedürfnisse von schwer kranken oder sterbenden Menschen abgestimmt. Besonders am Herzen liegt mir die Entwicklung von Dingen, die sowohl die körperliche als auch die emotionale Würde der Menschen in dieser Phase unterstützen und die Kommunikation zwischen An- und Zugehörigen und Betroffenen fördern. Kommunikationstools sowie Dinge, die Übergänge und Zwischenräume gestalten. Denn Sterben ist heute meist ein sehr langsamer Prozess, oftmals über mehrere Jahre mit Höhen und Tiefen, guten und schlechten Tagen. Ich verstehe unsere Designs als Lebensbegleiter. Daher ist der Turnarounder ein Morgenmantel, der sich zum Spitalhemd wenden lässt, auch ein wichtiges Produkt, da es sehr gut das Thema Krankheit als Weg vermittelt.

    Welches Feedback bekommst du und wer sind bislang deine Hauptkund:innen?

    Bitten Stetter: Das Feedback, das ich erhalte, ist überwiegend positiv. Vor allem von Angehörigen und Betroffenen aber auch von Pflegenden, die sich ästhetische und menschenzentrierte Produkte im Pflege- und Sterbebereich wünschen. Meine Hauptkund:innen sind Pflegeeinrichtungen, Hospize und palliative Einrichtungen, aber auch Einzelpersonen, die schöne Care-Objekte im Alltag vermissen und suchen.

    Wo kann man Pflegehilfsmittel von finally kaufen?

    Bitten Stetter: Die Produkte von finally. sind online erhältlich und können über unsere Website bestellt werden. Außerdem haben unser Care Atelier, einen Shop im Herzen Zürichs. Zudem arbeiten wir mit verschiedenen Care-Plattformen und Pflegeeinrichtungen und Vereinen zusammen, die unsere Produkte ebenfalls anbieten.

    Du bietest neben deinen Produkten auch Workshops an. Worum geht es?

    Bitten Stetter: Die Workshops und Veranstaltungen, die wir veranstalten, richten sich an alle, die in der Pflege oder Betreuung von sterbenden

    Würfelset

    Menschen tätig sind, sowie an Angehörige, die sich aktiv mit dem Thema Sterben und Tod auseinandersetzen möchten und an alle, die in Berührung mit unserer Endlichkeit treten ‒ sich also vorbereiten und auseinandersetzen möchten. In unseren aktuellen Workshops arbeiten wir z. B. mit unseren Würfeln, um uns Fragen der Fragilität anzunähern. Dies soll helfen, die letzten Lebensphasen besser zu planen und zu gestalten. In anderen Workshops fragen und spekulieren wir darüber, wie Design die Pflege und das Wohlbefinden verbessern kann.

    Mein Wunsch ist es, dass sich irgendwann Geschäfte für ästhetische Pflegehilfsmittel zwischen Mode-, Beauty-, und Einrichtungsläden reihen – solange es überhaupt noch den stationären Handel gibt. Gleiches gilt natürlich für den Online-Handel. Was ist deiner?

    Bitten Stetter: Ich teile diesen Wunsch mit dir. Der stationäre Handel ist nach wie vor wichtig, denn er bringt uns oft ungeplant in Berührung mit Dingen. Zudem ist es für uns essenziell, dass Menschen unsere Produkte erleben und in unserem Shop in den Austausch treten. Gleichzeitig hilft uns der Online-Shop, eine breitere Zielgruppe zu erreichen.

    Ich hoffe, dass sich ein Bewusstsein für wertschätzende und ästhetische Pflegehilfsmittel entwickelt und sie Teil des Mainstreams werden. Schließlich ist der Umgang mit Fragilität, Krankheit, Altern, Sterben und Tod ein sehr persönliches Thema, das oft einfühlsam und respektvoll begleitet werden muss.

    Hier gibt es noch viel zu tun, denn das Gesundheitssystem ist stark auf Heilung, Standardisierung, Effizienz und Funktionalität ausgerichtet – dabei wird das sinnliche Erleben oft ausgeklammert. Das möchten wir im Kleinen wie im Großen ändern.

    Dafür brauchen wir Menschen wie euch, die unser Anliegen für relevant erachten und es mit uns teilen. Spread the message: finally we are fragile humans.

     

    Wir danken dir für das Gespräch, liebe Bitten und wünschen euch von Herzen weiterhin viel Freude und Erfolg mit finally!

     

    Wir empfehlen euch unseren Artikel „Ambulante Palliativversorgung: Begleitung in der letzten Lebensphase“ – hier erfahrt ihr von Hannelore vom Pflegedienst Sensus, was ihr euch unter ambulanter Palliativpflege vorstellen könnt.

    * Quelle: Destatis

    Titelbild und Produktbilder im Text: © Mina Monsef for finally

    Portrait von Bitten Stetter: © David Jäggi/ZHdK

     

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  • Alzheimer – die häufigste Demenzform

    Alzheimer – die häufigste Demenzform

    Je älter wir werden, desto höher ist das Risiko an Alzheimer – auch Morbus Alzheimer oder Alzheimer Demenz genannt – zu erkranken. Von insgesamt 50 verschiedenen Demenzerkrankungen ist Alzheimer mit rund zwei Drittel die häufigste Demenzform, die sich aufgrund einer bislang unheilbaren Störung des Gehirns entwickelt. Derzeit sind in Deutschland rund eine Millionen Menschen an Alzheimer erkrankt. Seit November 2024 keimt mit dem Wirkstoff – dem Antikörper Lecanemab (Leqembi) – auch in Europa neue Hoffnung auf. Es ist das erste Alzheimer-Medikament, das die Ursache behandelt und jetzt auch von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) grünes Licht bekommt. Lest hier die wichtigsten Infos und warum sich Lecanemab nicht für alle Alzheimer-Patient:innen eignet.


    Was ist Alzheimer und was ist die Ursache?

    Alzheimer wurde nach dem deutschen Psychiater Alois Alzheimer benannt, der die Erkrankung 1906 zum ersten Mal beschrieb. Alzheimer zeichnet sich vor allem durch die zwei typischen Symptome Vergesslichkeit und Verwirrtheit aus. Trotz der Forschung ist bislang immer noch nicht komplett geklärt, wie Alzheimer genau entsteht. Es gibt viele Forschungsansätze und Hypothesen – viele Expert:innen vertreten die sogenannte Amyloid-Hypothese.

    Was ist die Amyloid-Hypothese?

    Bei Alzheimer sterben Nervenzellen im Gehirn und ihre Verbindungen untereinander ab (Neurodegeneration) – dies stört die Informationsweitergabe. Da immer mehr Nervenzellen absterben, schrumpft das Gehirn im Laufe der Erkrankung um bis zu 20 Prozent. Laut der Amyloid-Hypothese passiert dies wahrscheinlich durch zwei Proteine, die auch im gesunden Gehirn vorkommen.

    Bei der Untersuchung von „Alzheimer-Gehirnen“ werden diesbezüglich immer wieder bestimmte Eiweißablagerungen nachgewiesen:

    • Überschuss des Eiweißes Beta-Amyloid (Aß) – werden zu giftigen Beta-Amyloid-Oligomeren und schließlich zu Verklumpungen auch Alzheimer-Plaques bzw. ß-Amyloid-Plaques genannt
    • chemische Veränderung bei Tau-Eiweißen – werden zu sogenannten Tau-Fibrillen

    Ebenfalls Teil der Beta-Amyloid-Hypthese ist die Annahme, dass sich zuerst und bereits Jahrzehnte vor den Tau-Fibrillen die Beta-Amyloid-Plaques und drum herum chronische Entzündungen bilden, die vermutlich zum Absterben der Nervenzellen beitragen. Ausführliche Infos zur Entstehung von Alzheimer findet ihr in diesem Video von Alzheimer Forschung Initiative e. V.

    Was sind typische Alzheimer-Symptome?

    Da bei Alzheimer die Nervenzellen zuerst in der Schaltstelle im Gehirn – Hippocampus genannt – absterben, kommt es zu Beginn zu folgenden Symptomen:

    • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses/kleinere Gedächtnislücken Vergesslichkeit/Zerstreutheit – sehr alte Erinnerungen sind dagegen noch abrufbar.
    • Wortfindungsstörungen
    • Orientierungsschwierigkeiten
    • verlangsamtes Denken und Sprechen
    • Ab dem mittleren Stadium der Demenzerkrankung kommt es zudem zu extremen Funktionsstörungen beim Denken, Orientieren (zeitlich und räumlich), der Sprache und Gestik.
    • Ab jetzt verblassen auch ältere Erinnerungen immer mehr und bislang vertraute Menschen werden zu Fremden. Alltägliche Dinge wie Kochen, Essen, Körperpflege und Einkaufen sind für Erkrankte dann nicht mehr ohne Hilfe möglich.

    Weitere mögliche Symptome

    Die folgenden Symptome fallen meist eher Mitmenschen als den Betroffenen selbst auf:

    • Aggressivität
    • Depression
    • starker Bewegungsdrang/Unruhe
    • Ängste
    • Halluzinationen

    Im Spätstadium sind Erkrankte komplett pflegebedürftig und häufig bettlägerig. Meist sprechen sie nur noch wenige Worte, sind inkontinent, können immer schlechter schlucken und atmen und die Gliedmaßen versteifen. Da im Spätstadium häufig auch das Immunsystem stark geschwächt ist, versterben Alzheimer-Patient:innen unter anderem an Lungenentzündungen. In diesem Beitrag erläutert euch Hannelore vom Pflegedienst Sensus, inwiefern euch die ambulante Palliativversorgung  dann unterstützen kann.

    In welchem Alter erkrankt man an Alzheimer?

    Rund 99 Prozent erkranken nach dem 65. Lebensjahr an Alzheimer – das größte Risiko ist somit ein hohes Alter. Gerade ab dem Alter von 80 Jahren ist mindestens jede fünfte Person betroffen, bei den über 90-Jährigen ist es schon mehr als ein Drittel.

    Neben dem Alter sollen dabei weitere Faktoren eine Rolle spielen wie …

    • Genetik: Das Risiko für Alzheimer ist erhöht, wenn eine bestimmte Variante im Gen für das Eiweiß Apo-Lipoprotein E (ApoE) vorliegt. Zwar ist das ApoE-Gen bei allen Menschen vorhanden und wird für den Transport von Cholesterin im Blut benötigt, doch nur eine der drei Varianten macht die Person empfänglicher für Alzheimer.
    • Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel, erhöhter Homocysteinwert, Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Diabetes und oxidativer Stress.
    • vererbte Gen-Defekte: Bei rund einem Prozent wird Alzheimer durch unterschiedliche Gen-Defekte ausgelöst und weitervererbt. Die Mutation betreffen das Amyloid-Vorläufer-Protein-Gen sowie die Gene Presenilin-1 und Presenilin-2. Menschen, die diese Mutationen vorweisen, erkranken im Alter zwischen 30 und 60 Jahren ganz sicher an Alzheimer.

    Wie wird Morbus-Alzheimer diagnostiziert?

    Die meisten von uns werden mit zunehmendem Alter vergesslicher. Doch wann sollte man ärztlichen Rat einholen und wie wird Alzheimer diagnostiziert? Wie immer gilt die Regel: Sofern ihr bei euch oder bei einer Person in eurem Umfeld Veränderungen bei der Gedächtnisleistung, Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit oder Probleme beim Sprechen bemerkt, sucht vorsichtshalber eure:n Hausärzt:in auf beziehungsweise schlagt es der Person in eurem Umfeld vor. Zudem sollte die betroffene Person von einer nahestehenden Person zum Termin begleitet werden, da diese wahrscheinlich auch befragt wird.

    Zwar ist Alzheimer bislang nicht heilbar, aber wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, kann das rasche Fortschreiten durch eine medikamentöse Behandlung hinausgezögert werden.

    Die Diagnose erfolgt in mehreren Schritten:

    Ausführliches ärztliches Gespräch

    Ausführliche Anamnese – informiert eure:n Ärzt:in über Beschwerden, (Vor-)Erkrankungen, und Medikamente, die ihr einnehmt oder bis vor Kurzem eingenommen habt.

    Während des Gespräches wird der/die Ärzt:in bereits auf mögliche Konzentrations- oder Sprachprobleme achten.

    Körperliche Untersuchung

    Danach erfolgt eine körperliche Untersuchung  – u. a. Blutdruckmessung, Prüfung der Muskel- und Pupillenreflexe etc.

    Demenztests

    Anschließend kommen spezielle Demenztests (psychometrische Testung) zum Einsatz, die allerdings bei einer frühen Demenz meist noch nicht greifen und durch die die Demenzformen auch nicht unterschieden werden können. Sie können also erstmal nur einen ersten Hinweis auf eine allgemeine Demenz geben, sofern sie bereits fortgeschritten ist.

    Häufige Demenztests:

    • Uhrentest
    • MMST (Mini Mental Status Test/ Screening Test)
    • DemTect (Demenz-Detektions-Test)
    • TFDD (Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung)

    Außerdem können zusätzliche neuropsychologische Untersuchungen ergänzt werden.

    Apparative Untersuchungen

    Bei Verdacht auf eine Demenzerkrankung kommen apparative Untersuchungen wie die Positronen-Emmissions-Computertomografie (PET/CT) oder die funktionelle Magnetresonanztomografie/Kernspintomografie bzw. Hirnscan (fMRT) zum Einsatz, um festzustellen, ob die Hirnsubstanz abgenommen hat und um andere mögliche Erkrankungen wie z. B. einen Hirntumor auszuschließen.

    Labortests

    Ebenfalls wichtig sind spezielle Blut- und Urinuntersuchungen, um Alzheimer oder eine andere Erkrankung – beispielsweise der Schilddrüse – diagnostizieren zu können. Der gängigste Test, der allerdings teuer und aufwendig ist und sich nicht für eine Frühdiagnose eignet, ist die Liquordiagnostik (Probe der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit – Liquor). Hierbei wird die Konzentration der Amyloid- und Tau-Proteine untersucht. Ein Gentest wird veranlasst, sofern eine genetische Disposition vorliegt.

    Wie wird Alzheimer behandelt?

    Alzheimer wird bislang wie folgt therapiert:

    Antidementiva

    Schon zu Beginn der Demenzerkrankung kommt es zu einem Acetylcholin-Mangel. Der Nervenbotenstoff ist unter anderem notwendig für die Kommunikation zwischen den Nervenzellen. Cholinesterasehemmer (z. B. Donepezil oder Rivastigmin) steuern dagegen, indem sie ein Enzym, das den Mangel verursacht, blockieren.

    Ab dem mittleren Alzheimerstadium greift man in der Regel auf den Wirkstoff Memantin zurück. Dieser verhindert den Überschuss des Nervenbotenstoffes Glutamat, der die Gehirnzellen vermutlich schädigt beziehungsweise zum Absterben der Zellen beiträgt.

    Weitere Medikamente

    • Extrakte aus Ginkgoblättern (Ginkgo biloba) – sollen die Durchblutung des Gehirns verbessern (Verbesserung der Gedächtnisleistung), die Nervenzellen schützen und psychische Beschwerden lindern.
    • Neuroleptika (wie Risperidon oder Haloperidol) gegen Unruhe und Aggressivität – können starke Nebenwirkungen haben.
    • Antidepressiva

    Nicht-medikamentöse Therapien

    • Realitäts-Orientierungs-Training
    • Ergotherapie, um Fähigkeiten (Körperpflege, Haushalt etc.) so lange wie möglich zu fördern und zu erhalten.
    • Denk-Training (kognitives Training) mithilfe von Wort- und Denkspielen
    • Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie, Kunst- und Musiktherapie, Sinnstimulation wie Snoezelen/Aromatherapie, tiergestützte Therapie etc.)
    • Autobiografische Therapie/Kommunikation mithilfe von Angehörigen und z. B. Fotoalben, persönlichen Gegenständen etc., um das Erinnerungsvermögen zu trainieren.

    Alzheimer-Medikament mit dem Antikörper Lecanemab

    Zum ersten Mal in der Alzheimer-Forschung empfiehlt der der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ein Alzheimer-Medikament mit dem Wirkstoff Lecanemab (Leqembi). Es ist das erste Alzheimer-Medikament, das nicht die Symptome mindert, sondern das Fortschreiten der ursächlichen Prozesse im Gehirn verlangsamt. Lecanemab ist ein Antikörper, der in den USA bereits gegen Demenz zugelassen ist.

    Für wen eignet sich der Wirkstoff Lecanemab?

    Die EMA empfiehlt das Alzheimer-Medikament in einem frühen Alzheimer-Stadium – also bei leichten beziehungsweise beginnenden Alzheimer-Demenz-Symptomen wie Gedächtnis- und Denkstörungen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass eine frühe Diagnose erfolgt. Da Demenz allerdings mit viel Scham behaftet ist und die ersten Symptome oft heruntergespielt und verdrängt werden, werden Angehörigen und behandelnden Ärzt:innen eine wichtige Rolle bereits vor einer Diagnose zuteil. Eine weitere Voraussetzung ist, dass das Medikament nur bei Alzheimer-Erkrankten angewandt werden darf, die „nur eine oder keine Kopie von ApoE4, einer bestimmten Form des Gens für das Protein Apolipoprotein E“, vorweisen. Bei Alzheimer-Patient:innen mit „zwei ApoE4-Kopien“ besteht ein zu großes Risiko für lebensbedrohliche Nebenwirkungen wie Blutungen/Schwellungen im Gehirn. Mehr Infos findet ihr bei der Europäischen Arzneimittelbehörde und beim aerzteblatt.de.

    Kann Alzheimerdemenz vorgebeugt werden?

    Generell könnt ihr mithilfe eines gesunden Lebensstils das Risiko an Alzheimer sowie an anderen (Demenz-)Erkrankungen mindern. Wie bei der Parkinson-Erkrankung ist auch hier wieder die mediterrane Ernährung zu empfehlen. Sehr wichtig ist neben regelmäßiger Bewegung (in freier Natur) auch Denkarbeit in Form von Rätseln, Erinnerungstrainings, kreativen Hobbys, einem lebendigen Sozialleben usw. wichtig, um Geist und Körper fit zu halten.

    Bald geben wir euch weitere Tipps, wie ihr Menschen mit Demenz im Alltag bestmöglich unterstützen könnt und informieren euch darüber, ab wann ihr professionelle Hilfe – zum Beispiel durch einen ambulanten Pflegedienst wie den Sensus Pflegedienst – in Anspruch nehmen solltet und welche vorbereitenden Maßnahmen zu Beginn einer Demenzerkrankung elementar sind.

    Weiteführende und stets aktuelle Infos findet ihr bei Alzheimer Forschung Initiative e. V.

     

    Titelbild: © Adobe Stock – Lisa Weatherbee

  • Parkinson – eine der häufigsten Nervenkrankheiten

    Parkinson – eine der häufigsten Nervenkrankheiten

    Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Syndrom, idiopathisches Parkinson-Syndrom/IPS) zählt zu den häufigsten Krankheiten des zentralen Nervensystems. Rund ein bis zwei von 1.000 Personen erkranken an Parkinson – meist sind ältere Menschen betroffen. Wer schon mal etwas von der Erkrankung gehört oder selbst Erfahrungen damit gesammelt hat, denkt dabei vor allem an eines der für Parkinson typischsten Symptome: das Zittern. Lest hier die wichtigsten Infos und erfahrt, welche Frühsymptome bereits Jahrzehnte vor der Diagnose auf Parkinson hindeuten können und inwiefern der Nervenkrankheit laut einer aktuellen Studie möglicherweise vorgebeugt werden kann.

    Was ist Parkinson?

    Parkinson ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der es zu einem Verlust von Nervenzellen im Gehirn kommt, die den Botenstoff Dopamin enthalten. Ein Dopaminmangel im Gehirn führt dann zu den für Parkinson typischen Bewegungsstörungen. Spricht man vom Parkinson-Syndrom, ist in der Regel Morbus Parkinson gemeint. Rund 75 von 100 Patient:innen, die die Diagnose Parkinson bekommen, haben Morbus Parkinson. Benannt wurde Parkinson nach dem britischen Arzt James Parkinson, der im Jahr 1817 die Erkrankung zuerst als „Schüttellähmung“ (Paralysis agitans) bezeichnete.

    Welche Parkinson-Formen gibt es?

        1. Morbus Parkinson/idiopathisches Parkinson-Syndrom
        2. Genetische Formen – treten meist schon im jungen Erwachsenenalter auf
        3. Atypische Parkinson-Syndrome ausgelöst durch neurodegenerative Erkrankungen wie Lewy-Körperchen-Demenz
        4. Symptomatische Parkinson-Syndrome (sekundär) ausgelöst durch Medikamente wie Neuroleptika oder blutdrucksenkende Mittel, Nervengifte wie Kohlenmonoxid oder Mangan, Erkrankungen wie Schädel-Hirn-Trauma, Stoffwechselstörungen (Morbus Wilson), Tumore oder sich wiederholende Verletzungen des Gehirns – beispielsweise beim Boxen.

    Was ist die Ursache?

    Bei Menschen, die an Parkinson erkranken, sterben bestimmte Nervenzellen in der schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Gehirn ab. Dadurch entsteht ein Dopaminmangel. Dopamin und weitere Stoffe dienen als Botenstoffe, um Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle zu transportieren – sie sind somit maßgeblich an unserer Bewegungssteuerung beteiligt. Der Dopaminmangel bringt diesen Prozess und das Gleichgewicht der anderen Botenstoffe wie Acetylcholin und Glutamat durcheinander – Bewegungsstörungen sind die Folge. Ein Überschuss an Acetylcholin ist zum Beispiel der Grund für Zittern und Muskelsteifheit.

    Die genaue Ursache für Morbus Parkinson ist unbekannt. Daher stammt auch die Bezeichnung idiopatisches (ohne erkennbare Ursache) Parkinson-Syndrom. Vermutet werden genetische Veranlagungen und Umwelteinflüsse (Pestizide).

    Parkinson-Symptome

    Die Erkrankung zeichnet sich durch vier typische Hauptsymptome beziehungsweise Bewegungsstörungen aus, die anfangs meist einseitig auftreten:

    1. Bewegungsverlangsamung (Bradykinese)

    Die Bradykinese bezeichnet die Bewegungsverlangsamung der Betroffenen und ist das häufigste Symptom im Parkinson-Frühstadium. Hierbei ist jede kleinste Bewegung wie das Gehen, Aufstehen oder auch Drehen nur noch mit Mühe und verlangsamt möglich. Typisch für die Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) sind außerdem eine gebeugte Haltung, sehr kleine Schritte und verlangsamte bis starre Mimik und Gestik. Auch das Schlucken, Trinken und Schreiben fällt immer schwerer. Manchmal bereitet bereits der Versuch von Spontanbewegungen große Schwierigkeiten, weshalb sie immer weiter abnehmen (Hypokinese). Im schlimmsten Fall kommt zu einer kompletten und lebensbedrohlichen Bewegungsblockade (Akinese).

    2. Muskelsteifheit (Rigor)

    Die für Parkinson typische Muskelsteifheit wird auch Rigor genannt. Zu Beginn können besonders die Nacken- und Schultermuskeln nicht mehr kontrolliert und bewegt werden. Bei der ärztlichen Untersuchung kann außerdem das Zahnradphänomen festgestellt werden: Soll die an Parkinson erkrankte Person beispielsweise den angewinkelten Arm strecken, erfolgt die Bewegung ruckartig – vergleichbar mit einem Zahnrad.

    3. Zittern (Tremor)

    Auch das langsame Zittern (Tremor) ist eines der Hauptsymptome bei Parkinson. Meist tritt es in Ruhe einseitig an den Händen (Finger reiben oft aneinander) und später auch an den Füßen auf – es wird daher auch Ruhetremor genannt. Während einer Bewegung und im Schlaf hört es meist auf. Es kann aber auch komplett ausbleiben.

    4. Instabile Körperhaltung (posturale Instabilität)

    Parkinson-Patient:innen leiden zudem häufig an einer instabilen Körperhaltung (posturaler Instabilität). Gesunde Menschen sind in der Lage, durch ihre Halte- und Stellreflexe Balance zu halten. Bei Parkinson sind die Reflexe gestört, wodurch Betroffene einen unsicheren Gang haben und besonders in unerwarteten oder hektischen Situationen schneller ins Wanken geraten und stürzen.

    Mögliche Begleitsymptome

        • Verschlechterung des Geruchsinns
        • Schlafstörungen durch starke Bewegungen während der Traumschlafphasen (REMS-Schlaf-Verhaltensstörung)
        • Chronische Verstopfung und/oder Blasenschwäche
        • Depressive Verstimmungen
        • Muskel- und Gelenkschmerzen – verursacht durch Muskelsteifheit
        • Talgdrüsen im Gesicht neigen zur Überproduktion („Salbengesicht“)
        • Körpertemperatur- und Kreislaufstörungen
        • Sehstörungen
        • Schluckstörungen
        • Potenzstörungen
        • Demenz (bei etwa drei bis vier von zehn Parkinson-Patient:innen)

    Bereits 20 Jahre vor der Parkinson-Diagnose und somit in der Frühphase (Prodromalstadium) zeigen sich häufig schon nicht-motorische Begleitsymptome wie Geruchs- und Schlafstörungen, Depressionen und chronische Verstopfung.

    Akinetische Krise im Parkinson-Spätstadium

    Abgesehen davon, dass viele an Parkinson erkrankte Menschen im Spätstadium auf einen Rollstuhl angewiesen sind, besteht außerdem das Risiko einer akinetischen Krise, bei der die Patient:innen vollkommen bewegungsunfähig sind. Dieser lebensbedrohliche Zustand kann sich ganz plötzlich oder innerhalb weniger Tage entwickeln und betrifft auch das Schlucken und Sprechen. Die akinetische Krise ist daher ein akuter und lebensbedrohlicher Notfall.

    Was kann eine akinetische Krise auslösen?

        • Flüssigkeitsmangel
        • Abruptes Absetzen oder Reduzieren der Parkinson-Medikamente
        • Schwere Erkrankungen
        • Operative Eingriffe

    Wie wird Parkinson diagnostiziert?

    Gerade im Frühstadium ist die Diagnose Parkinson nicht so einfach zu stellen.

    Oft stellen Erkrankte im Frühstadium selbst fest, dass sie sich langsamer bewegen, schneller hinfallen, schlechter feinmotorische Dinge ausüben können und/oder schlechter riechen. Manchmal bemerken auch Angehörige diese Veränderungen zuerst.

    Folgt dann der Gang zum Arzt, ist eine ausführliche Anamnese wichtig. Am besten notiert sich der/die Patient:in bereits im Vorfeld, welche Veränderungen er/sie bei sich festgestellt hat und erstellt eine Übersicht über bereits diagnostizierte Erkrankungen sowie eine Medikamentenliste.

    Anhand des Gesprächs, einer körperlich-neurologischen Untersuchung und eines Ausschlussverfahrens anderer Erkrankungen beispielsweise mithilfe von CT und MRT und anhand der typischen Symptome wie Bewegungsarmut und mindestens eines weiteren Symptoms, kann der Arzt dann die Diagnose Parkinson stellen.

    Da das Gehirn über zu wenig Nervenzellen verfügt, die den Botenstoff Dopamin ausschütten, kann auch mithilfe der Positronen-Emissons-Tomografie (PET) Parkinson nachgewiesen werden.

    Befindet sich die an Parkinson erkrankte Person schon im Spätstadium, ist die ärztliche Diagnose einfach und benötigt aufgrund der Hauptsymptome eigentlich keine weiteren Untersuchungen.

    In einigen Fällen müssen jedoch weitere Ausschlussverfahren und Tests erfolgen, um eine Diagnose stellen zu können. In diesem Fall ist es wichtig, einen Arzt zu konsultieren, der viel Erfahrung im Bereich der Parkinson-Diagnostik hat.

    Levodopa-Test (L-Dopa-Test)

    Ein Test, der häufiger angewandt wird, ist der Levodopa-Test – auch L-Dopa-Test genannt. Hierbei erhält die betroffene Person den Stoff Levodopa, die eine Vorstufe von Dopamin ist und im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird. Gehen die Symptome nach dem Test zurück, deutet dies auf das indiopatische Parkinson-Syndrom hin, da dem Gehirn wieder mehr Dopamin zur Verfügung steht als zuvor. Der Test genügt aber nicht als alleiniges Indiz. Je nach Beschwerdebild kann der Test auch mit dem Wirkstoff Apomorphin gemacht werden.

    Wie wird Parkinson behandelt und ist es heilbar?

    Parkinson kann vor allem mithilfe von Medikamenten und weiterer Maßnahmen meist über Jahre gut behandelt werden. Heilbar ist die Erkrankung bislang nicht.

    Behandelt wird Morbus Parkinson vor allem mit Medikamenten (oral, als Pumpentherapie oder als Pflaster) wie …

    Levodopa (L-Dopa, L-3,4-Dihydroxyphenylalanin)

    Levodopa ist derzeit das wirksamste Medikament gegen die typischen Parkinson-Symptome Bewegungsverlangsamung und Muskelanspannung. Da von Außen zugeführtes Dopamin unsere Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann, benötigt es beispielsweise Levodopa (L-Dopa) – der Stoff ist eine Dopamin-Vorstufe. Mithilfe von Decarboxylase-Hemmern kann er die Schranke in außreichender Menge überwinden. Im Gehirn wandelt er sich schließlich in Dopamin um. L-Dopa ist besonders zu Beginn sehr gut verträglich. Allerdings kann er nicht verhindern, dass die Erkrankung weiter voranschreitet, zudem nehmen Wirkdauer und Verträglichkeit mit der Zeit immer mehr ab.

    Mögliche Nebenwirkungen:

        • unkontrollierbare Bewegungen (Hyperkinesien)
        • Wirkungsfluktuationen („On-Off-Phänomene)
        • Müdigkeit
        • psychische Beschwerden
        • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
        • Magenbeschwerden

    Dopaminagonisten

    Statt L-Dopa können auch Dopaminagonisten (Ergot- oder Nicht-Ergot-Präparate wie Bromocriptin, Lisurid und Pergolid, Ropinirol oder Pramipexol) bei Parkinson zum Einsatz kommen, die den Botenstoff Dopamin nachahmen. Sie werden vor allem Parkinson-Patient:innen unter 60 Jahren in der Frühphase verschrieben, um später auf L-Dopa zurückgreifen zu können und so die Nebenwirkungen und Wirkdauer durch eine zu lange Einnahme zu verringern. Zwar verlieren Dopaminagonisten nicht an Wirksamkeit und zögern Bewegungsstörungen meist lange hinaus, allerdings haben sie bereits zu Beginn starke Nebenwirkungen:

        • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Bauchschmerzen
        • Psychosen
        • Zwänge
        • Erschöpfung/Schläfrigkeit
        • seltene Nebenwirkung bei bestimmten Präparaten: Bindegewegswachstum der Herzklappen (Herzklappen-Fibrose) – darf daher nicht bei Herzklappen-Erkrankung eingenommen werden

    Weitere Medikamente

        • COMT-Hemmer wie Entacapon und Tolcapon – gegen Dopamin-Wirkungsschwankungen
        • MAO-B-Hemmer wie Selegilin und Rasagilin – bremsen Domamin-Abbau
        • Anticholinergika wie Biperiden und Bornaprin gegen Zittern
        • NMDA-Hemmer Amantadin – erhöhen Dopamin-Ausschüttung und Beweglichkeit

    Ergänzende Behandlungsmöglichkeiten:

        • Physiotherapie und Ergotherapie, um die Beweglichkeit zu erhalten, den Alltag bewältigen und Hobbys ausüben zu können
        • logopädische Therapie, um das Sprechen, Schlucken sowie die Gestik und Mimik zu trainieren
        • Entspannungstechniken, um dem Zittern entgegenzuwirken und sich allgemein wohler zu fühlen
        • Psychotherapie für Patient:innen und Angehörige
        • operativer Eingriff: Sofern Medikamente nicht mehr ausreichen, kann eine Tiefenhirnstimulation (THS oder Deep Brain Stimulation/DBS) sinnvoll sein. Hierbei müssen Risiko und Nutzen individuell abgewogen werden.

    Stammzell-Therapie: Noch zu wenig erforscht

    Derzeit wird erforscht, ob die abgestorbenen Nervenzellen im Gehirn bei Parkinson-Patient:innen durch eine Stammzell-Therapie – auch Stammzell-Injektion oder Stammzell-Transplantation genannt – ersetzt werden können. Die Stammzellen werden aus dem Knochenmark der erkrankten Person entnommen und anschließend ins Gehirn eingepflanzt. Da noch nicht ausreichend erforscht ist, wie sich die adulte Stammzellen-Therapie tatsächlich auf die Gesundheit auswirkt, warnen Expert:innen vor den bereits kursierenden Angeboten, die aus eigener Tasche bezahlt werden müssen.

    Hannes Tipps zur ambulanten Pflege bei Parkinson

    Ist das idiopathische Parkinson-Syndrom bereits weiter fortgeschritten, ist es sinnvoll, einen ambulanten Pflegedienst hinzuziehen.

    Das rät Hanne des Pflegedienstes Sensus:

        • Ganz wichtig ist, sich als Angehörige Aussagen wie „lach doch mal“ oder „beeil dich“ abzugewöhnen, da Parkinson-Erkrankte diese Dinge schlichtweg kaum bis gar nicht mehr können. Stattdessen geben Geduld und ein freundlicher und liebevoller Umgang der erkrankten Person Zuversicht und Anerkennung.
        • Je nach Krankheitsschwere benötigen die Erkrankten Hilfe bei der Körperpflege, Nahrungsaufnahme und bei der Medikamenteneinnahme.
        • Hilfsmittel wie Essenshilfen (z. B. spezielles Besteck und Nagelbretter, um weiterhin Gemüese etc. mit einer Hand schneiden zu können, Lätzchen etc.) verwenden, um das Schamgefühl zu senken und die Mobilität zu erhalten.
        • Persönliche Interessen wie Lesen (daraus kann z. B. Vorlesen werden), tanzen zu bekannten Melodien, (Hilfe) beim Musizieren und einfache Gesellschaftsspiele mit großen Spielfiguren und großem Spielfeld etc. sollten gefördert werden.

    Anm. d. Red.: Ob ihr oder eine Person in eurem Umfeld an Parkinson erkrankt ist, kann nur ein Arzt feststellen. Auch kann nur ein Arzt festlegen, welche Therapiemaßnahmen sinnvoll sind.

    Neue Studie zur Parkinsonprävention

    Ein frühes Symptom der Nervenkrankheit sind beispielsweise Darmbeschwerden (chronische Verstopfung). Der Darm spielt unter anderem bei Stoffwechselvorgängen und bei der Entstehung von Krankheiten eine wichtige Rolle. Expert:innen vermuten daher auch bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, dass unserer Darmflora (Mikrobiom) eine wichtige Aufgabe zuteil wird. Denn die Nerven unseres Gehirns sind über bestimmte Nervenbahnen wie den Vagusnerv mit dem Darm verbunden – man spricht hierbei auch von der „Darm-Hirn-Achse“. Als Botenstoffe dienen hierbei Stoffwechselprodukte von Darmbakterien. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass die Zusammensetzung der Bakterienstämme im Darm bei manchen Parkinson-Proband:innen, die eine Blinddarm-OP (Appendektomie) hatten, verändert war.

    Auch in anderen Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich das Darmmikrobiom bei Parkinson-Patient:innen von der Darmflora gesunder Menschen unterscheidet. Die Darmflora kann mitunter auch durch Stress, Depressionen, ungesunde Ernährung, Nikotin-, Alkohol- und Drogenkonsum negativ beeinflusst werden.

    Zur Parkinsonprävention empfehlen Expert:innen daher eine ausgewogene Ernährung beispielsweise mithilfe der mediterranen Ernährung/ Mittelmeerdiät.

    Weitere Infos findet ihr bei der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

    Die Studie findet ihr in der PubMed Datenbank der National Library of Medicine: Nakahara K, Nakane S, Ishii K et al. Gut microbiota of Parkinson’s disease in an appendectomy cohort: a preliminary study. Sci Rep 2023 Feb 7; 13 (1): 2210 doi: 10.1038/s41598-023-29219-2

     

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